Überwachungsskandal: auch BlackBerry ist kompromittiert

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Jetzt ist es offiziell: auch BlackBerry ist kompromittiert …

Das BSI Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik warnt vor BlackBerry, weil britische Dienste Zugriff auf das “gesamte Nachrichtenaufkommen” haben.

„Auf Grund der unsicheren Architektur ist der Blackberry für den Einsatz in sicherheitsempfindlichen Bereichen der öffentlichen Verwaltung und spionagegefährdeten Unternehmen nicht geeignet“, heißt es in einer BSI-Analyse.

netzpolitik.org:
Wir haben nachgefragt, aber unsere Anfrage wurde abgelehnt, weil diese Informationen die internationalen Beziehungen gefährden würden.

Für Unternehmen besonders problematisch ist die Bedrohung durch Wirtschaftsspionage, die bei Nutzung der BlackBerry-Infrastruktur nicht nur nicht ausgeschlossen werden kann, sondern eine reale unmittelbare Bedrohung mindestens durch Großbritannien zum Nutzen der britischen Wirtschaft darstellt.

Bereits vor acht Jahren warnte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vor den Diensten des Unternehmens BlackBerry.
Jürgen Berke berichtete damals in der WirtschaftsWoche:

„Nach Volkswagen meldet auch das Bonner Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Bedenken an und warnt vor dem Gebrauch der mobilen E-Mail-Maschine. „Auf Grund der unsicheren Architektur ist der Blackberry für den Einsatz in sicherheitsempfindlichen Bereichen der öffentlichen Verwaltung und spionagegefährdeten Unternehmen nicht geeignet“, heißt es in einer BSI-Analyse. Der „nur zum internen Gebrauch“ erstellte Bericht kreidet RIM an, dass das „gesamte Nachrichtenaufkommen zwangsweise“ über ein Rechenzentrum in Egham bei London geleitet wird. „Nach britischem Recht“ – so der BSI-Bericht – können „die örtlichen Sicherheitsbehörden unter sehr weit gefassten Voraussetzungen (unter anderem zum Wohle der britischen Wirtschaft)“ – Zugang zu allen Verbindungsdaten und Inhalten erhalten. „Es gibt damit die theoretische Möglichkeit, dass Dritte auf die E-Mails zugreifen, die vom Blackberry versandt werden“, erklärt BSI-Referatsleiter Michael Dickopf.“

Netzpolitik.org:
Nachdem CCC-Sprecher Frank Rieger letzten Monat berichtete, dass Blackberry 10 E-Mail-Passworte für NSA und GCHQ zugreifbar macht ist uns die BSI-Analyse wieder eingefallen, die wir prompt per Informationsfreiheits-Anfrage angefordert haben.
Jetzt kam die kürzeste IFG-Antwort, die wir bisher erhalten haben:
„Ihr o.g. Antrag wird nach § 3 Nr. l lit. a) IFG abgelehnt, da das Bekanntwerden der Information nachteilige Auswirkungen auf die internationalen Beziehungen haben kann.“

Und weiter:
„Das BSI ist eine Bundesbehörde und gehört zum Geschäftsbereich des Innenministeriums. Es wird aus Steuern finanziert und erarbeitet Informationen zur IT-Sicherheit für die öffentliche Verwaltung, Wirtschaftsunternehmen, Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen sowie Privatanwender.
Warum darf die Öffentlichkeit eine von ihr bezahlte Untersuchung nicht sehen, in der vor bestimmten Diensten gewarnt wird?
Wie passt das mit der Aufgabe zusammen, “den sicheren Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnik in unserer Gesellschaft zu ermöglichen und voranzutreiben”?
Und was hat das mit den internationalen Beziehungen zu tun?“

Link zum Artikel: (20.08.2013)
https://netzpolitik.org/2013/spass-mit-informationsfreiheit-bsi-warnt-vor-blackberry-begruendung-gefaehrdet-die-internationalen-beziehungen/

Netzpolitik.org ergänzt am selben Tag:
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik wollte uns ein Papier zu Überwachung von Blackberry in UK wegen “nachteilige Auswirkungen auf die internationalen Beziehungen” nicht geben. Wir haben es auf anderem Wege bekommen und veröffentlichen es daher gerne.

BSI-Analyse in Volltext aus dem Papier mit dem Titel “Sicherheitsaspekte des E-Mail-Push-Dienstes ‘BlackBerry’” mit Stand vom 20. September 2005:

„1. Die Übertragungssicherheit beruht vollständig auf proprietären Mechanismen der Firma RIM. Der zur Verschlüsselung verwendete mathematische Algorithmus wird zwar als sicher angesehen, für die Qualität der Implementierung, der Schlüsselerzeugung und des Schlüsselmanagements liegt jedoch keine unabhängige Evaluierung vor.

2. Das gesamte Nachrichtenaufkommen wird zwangsweise über ein Mobile Routing Center (MRC) im Ausland geleitet (für Europa nach Großbritannien, Egham bei London). Damit sind dort alle Verbindungsdaten (Absender, Empfänger, Uhrzeit) sowie die (verschlüsselten) Kommunikationsinhalte verfügbar. Nach britischem Recht können die örtlichen Sicherheitsbehörden unter sehr weit gefassten Voraussetzungen (unter anderem zum Wohl der britischen Wirtschaft) Zugang zu diesen Daten erhalten (RIP-Act 2000). Im Falle von (aus britischer Sicht) ausländischem Nachrichtenverkehr dürfen diese sogar ohne Personenbezug aufgeklärt werden.

3. Es ist nicht möglich, eine eigene, von RIM unabhängige Verschlüsselung zum Schutz der Kommunikationsinhalte zu realisieren. So lassen sich Mail-Anhänge, die vom Nutzer (zum Beispiel mit PGP oder Chiasmus) verschlüsselt wurden, mit BlackBerry nicht übertragen. Eine Verschlüsselung des Übertragungsweges (…) scheitert an der speziellen Blackberry-Infrastruktur.

4. Der im Unternehmensnetz installierte Synchronisationsserver BES (Blackberry Enterprise Server) wird mit einer Software der Firma RIM betrieben und benötigt hoch privilegierten Zugriff auf die Mail/Messaging-Server des Unternehmens. Er kann somit auf den gesamten dort gespeicherten Datenbestand zugreifen.

5. Alle Verfahren, Softwarekomponenten und Protokolle sind proprietär und werden von RIM als Firmengeheimnis behandelt. Das tatsächliche Betriebsverhalten des Systems lässt sich daher nicht überprüfen. Kritisch ist in diesem Zusammenhang, dass auf rund der verschlüsselten Übertragung nicht nachvollziehbar ist, welche Nachrichten zwischen Blackberry Enterprise Server und Mobile Routing Center ausgetauscht werden.“

Link zum Artikel: (20.08.2013)
https://netzpolitik.org/2013/bsi-2005-ueber-blackberry-e-mail-push-dienst-britische-behoerden-haben-zugriff-auf-das-gesamte-nachrichtenaufkommen/

Die in den aktuellen Artikeln von Netzpolitik.org erwähnte Einschätzung des BSI ist zwar 8 Jahre alt.
Es liegen jedoch keine positiven Erkenntnisse vor, dass sich daran etwas grundlegend geändert haben sollte, ganz im Gegenteil:

Nicht 8 Jahre alt, sondern ganz aktuell ist auch die Passage, in der es explizit um die aktuelle Version BlackBerry 10 geht:
„Nachdem CCC-Sprecher Frank Rieger letzten Monat berichtete, dass Blackberry 10 E-Mail-Passworte für NSA und GCHQ zugreifbar macht …“

Angesichts der umfangreichen Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden darf und muss ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass insbesondere der britische Geheimdienst nicht nur nicht von bisherigen Möglichkeiten Abstand genommen hat, sondern diese insgesamt tendenziell noch erheblich ausgebaut hat.

Um der ganzen Wahrheit die Ehre zu geben:
ja, man kann mit der neuen Plattform (BB10) eine direkte VPN-Verbindung zum Exchangeserver aufbauen und so die Nutzung der Blackberry Infrastruktur komplett umgehen.
Das sollte man dringend auch tun.

Da Öffentlichkeit ebenso wie Kunden ein erhebliches Interesse daran hätten, wäre es hilfreich, wenn seitens BlackBerry hierzu verbindliche aussagekräftige Erläuterungen gegeben werden könnten,
die nicht nur die damalige Einschätzung des BSI aktuell widerlegen und die problematischen Punkte nachvollziehbar ausräumen,
sondern auch eine verbindliche Erklärung zum aktuellen Stand der Technologie sowie Geheimdienstpraxis transparent dokumentieren.

Quellen:
Links siehe im Artikel
Graphik: BlackBerry

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