RIM: “Jetzt die Pferde zu wechseln ergäbe keinen Sinn”

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Man könnte auch sagen: „wenn das Pferd tot ist, dann steig ab“ (Indianer-Weisheit).
RIM CEO Torsten Heins will jedenfalls nicht an eine Totgeburt von BlackBerry 10 glauben …

Dem Aktienkurs nach zu urteilen (siehe Titelbild), ist das Pferd „BlackBerry“ irgendwann Anfang 2009 zu Tode geritten gewesen und man hat sich vom positiven Markttrend in die komplett entgegengesetzte Richtung abgesetzt und verabschiedet.
Dieser Trend nach unten hält seither unvermindert an: Analysten und Börse haben sich nicht davon überzeugen lassen, dass der Markt auf RIM’s Hoffnung noch wartet, wodurch BlackBerry 10 sich tatsächlich zu einer Totgeburt entwickeln könnte.

Parallelen zu Palm drängen sich auf, die ebenfalls viel zu lange für notwendige große Innovationen gebraucht hatten. Deren Hoffnungsträger webOS mag ein mehr als solides, ausgereiftes und zukunftsfähiges, in seiner Konzeption gar zukunftsweisendes und augenscheinlich wettbewerbsfähiges Produkt gewesen sein, aber man hatte den Zug schlicht und einfach verpasst. Die Übernahme durch HP kam zu spät und HP’s Anstrengungen waren wohl auch nicht intensiv genug.

Die zweite Parallele im Markt für mobile Geräte geht bei RIM als das wohl schlimmere Schreckgespenst um:
Nokia hingegen hat beim Trend nach unten trotz ebenfalls bereits eingeleiteter Produkt-Innovationen die Reißleine gezogen, tatsächlich die Pferde gewechselt und auf Windows Phone umgesattelt. Aller nicht verstummen wollender Unkenrufe selbst ernannter „Experten“ in der Blogosphäre wie auch klassischen Medien zum Trotz, die Microsoft im mobilen Markt längst abgeschrieben haben und den Weg mit Nokia als den Weg zweier Lahmer verhöhnen, sind sich die Analysten dennoch bereits seit vergangenem Jahr erstaunlich einig (IDC: „Windows Phone überholt iOS bis 2015“), daß dieser Weg wieder steil nach oben führen wird. Ob es nun als Wunderheilung verstanden werden wird oder nicht, genug Muskelkraft haben beide aufgebaut, daß man schon bald vorhat, die Krücken hinter sich zu lassen und gehörig Fahrt aufzunehmen um richtig abzuheben.

Mit weit mehr als nur Facelifting setzt Microsoft ab diesem Herbst auf den Erfolg seiner beiden brandneuen Zwillingsbrüder, Windows 8 und Windows Phone 8. Wer es noch nicht mitbekommen oder einfach noch nicht verstanden hat: hier tut sich tatsächlich Einiges und Brancheninsider von Analysten bis hin zu Apple’s Mitgründer Steve Wozniak („… lobt Microsoft in höchsten Tönen“) sind sich einig, daß Microsoft diesmal die Zeichen der Zeit richtig und auch noch rechtzeitig erkannt hat. Nach überstandener Talsohle wird  auch Nokia davon profitieren.

RIM liegt ein ähnliches Angebot von Microsoft seit 1 1/2 Jahren vor und hat es, aktuell noch einmal bekräftigt, ausgeschlagen.
Man wird sehen, ob RIM diesen massiven und lang anhaltenden Trend nach unten doch noch aus eigener Kraft stoppen und nach oben umkehren kann. Irgendwelche positiven Omen oder Zeichen sucht man bis dato vergeblich.

RIM’s deutscher CEO Torsten Heins scheint dennoch an RIM und BlackBerry 10 zu glauben.
In einem aktuellen Interview mit der Wirtschaftswoche will er nichts von einer „Todesspirale“ wissen, sondern nennt RIM’s Zustand eine „massive Übergangssituation“. BlackBerry 10 böte Chancen in den beiden Märkten für Smartphones wie auch Tablets, darüber hinaus auch für neue Geschäftsfelder wie Connected Cars oder Machine-to-Machine (M2M), wichtige Themen in den nächsten 10 Jahren.

Die nächsten Quartale stellten eine Herausforderung für RIM dar, aber er sei sicher, daß man da durchkomme.
Über die Verschiebung des Marktstarts von BlackBerry 10 auf 2013 ist auch Heins enttäuscht, er hält sie aber nicht für „kriegsentscheidend“. Wichtig sei daß die Plattform qualitativ hochwertig ist.

Beim angesprochenen Vergleich mit Palm und seinem Scheitern trotz des hoch gelobten webOS vertraut Heins auf RIM’s starke, loyale Kundenbasis gerade bei Unternehmen und RIM’s eigener Infrastruktur. Im Endkundenbereich sieht auch Heins einen harten Wettbewerbskampf auf sich zukommen.
Die Option Android habe man sich vor 1 1/2 Jahren tatsächlich intensiv angesehen, aber aufgrund der Stärken als Hardware-Hersteller eine Monopolisierung seitens Samsung festgestellt, gegen die es die weiteren OEMs schwer hätten, sich zu differenzieren. Dieses Merkmal weise BlackBerry auf, aber Heins blieb eine schlüssige Antwort schuldig, warum man dann nicht tatsächlich Android gewählt hat.
Zu diesem Zeitpunkt habe man Windows Phone noch nicht auf dem Radar gehabt und zwischenzeitlich sei BlackBerry 10 so weit entwickelt. „Jetzt die Pferde zu wechseln ergäbe überhaupt keinen Sinn.“

Als Strategie neben BlackBerry 10 definiert Heins eine Straffung des Produktportfolios einhergehend mit erforderlichen Kostensenkungen und dem Stellenabbau von 5000 Beschäftigten.
Über die schwachen Verkaufszahlen beim BlackBerry Playbook mache man sich Gedanken, man müsse die Frage nach der Zukunft eines Consumer-Tablets von RIM erst noch beantworten. In jedem Fall werde man sich künftig wieder stärker auf Unternehmenskunden fokussieren.

RIM CEO Torsten Heins

Das gesamte Interview mit der Wirtschaftswoche können Sie hier nachlesen:
http://blog.wiwo.de/look-at-it/2012/07/09/blackberry-chef-heins-jetzt-die-pferde-zu-wechseln-ergabe-keinen-sinn/

Quelle/n:
http://blog.wiwo.de/look-at-it/2012/07/09/blackberry-chef-heins-jetzt-die-pferde-zu-wechseln-ergabe-keinen-sinn/
http://www.businessinsider.com/chart-of-the-day-rims-post-iphone-implosion-2012-6
http://www.idc.com/getdoc.jsp?containerId=prUS22762811
http://winfuture.de/news,70769.html
Bild Business Insider
Foto Wirtschaftswoche

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