Quo Vadis, RIM ?

File photo of a logo of the Blackberry maker's Research in Motion is seen on a building at RIM Technology Park in Waterloo

Die schlechten Nachrichten reissen nicht ab, ein Ende des bereits existenzbedrohenden Abwärtstrends ist ebenfalls nicht in Sicht.
Schliesst sich RIM demnächst NOKIA’s Weg zu Microsoft’s Windows Phone an?

RIM schockiert Analysten und Stakeholder (Aktionäre wie Mitarbeiter) mit Hiobsbotschaften am laufenden Band.
Der Reihe nach:

  • RIM’s Marktanteile am Smartphone-Markt, sowohl bei Consumern als auch bei Unternehmen, erodieren und stürzen seit längerem förmlich ins Bodenlose. Der letzte Stand laut BITKOM-Veröffentlichung für das 1. Quartal 2012 wies für RIM’s BlackBerry Modelle gerade einmal noch 3% aus (wir berichteten im Artikel vom 29.05.).
  • In den drei Monaten bis zum 2. Juni lieferte RIM weltweit 7,8 Millionen Telefone aus und damit nur rund 70% des Volumens des Vorquartals von immerhin noch 11,1 Millionen, im selben Quartal des Vorjahres waren es noch 13,2 Millionen. Heruntergerechnet würde das für die noch zu erwartenden Zahlen der Marktanteile in Deutschland für das 2. Quartal 2012 eine weitere Absenkung auf nur mehr 2% bedeuten – eine Verabschiedung in Raten von einem ansonsten dynamisch wachsenden Zukunftsmarkt.
  • Parallel dazu wurde im vergangenen Quartal 2012 ein bereinigter Verlust von 192 Millionen Dollar eingefahren, weit höher als erwartet. Laut RIM steht ein weiteres Quartal mit operativen Verlusten bevor.
  • Der Umsatz brach im gleichen Zeitraum versus Vorquartal sogar um mehr als 40 Prozent ein, auf 2,8 Milliarden Dollar.
  • Mit all diesen Schreckensmeldungen sank der Aktienkurs im gestrigen regulären Börsen-Tagesgeschäft zuerst nur leicht auf 9,13 Dollar, im nachbörslichen Handel auf 7,81 US-Dollar. Binnen 1 Jahres hat die RIM Aktie rund drei Viertel an Wert verloren.
  • Trotz immerhin 2,2 Milliarden Barvermögens verringert sich der Börsenwert des Unternehmens damit auf  unter 5 Milliarden Dollar.
  • Von den etwa 16.500 Mitarbeitern wird laut Ankündigung von RIM nun fast jeder Dritte seinen Job verlieren, 5000 Stellen werden abgebaut.
  • Der Marktstart der neuen Smartphone-Generation BlackBerry 10, auf der alle Hoffnungen ruhen, wurde zu alledem nun auch noch um mehr als 1 Jahr verschoben: es wird erst Anfang nächsten Jahres fertig und verpasst heuer auch noch das wichtige Jahresendgeschäft zu Weihnachten.

Zitat WSJ:
„Analysten befürchten, dass die Kosten für die Markteinführung des Blackberry 10 und der Margendruck beim Verkauf der noch in den Regalen liegenden alten Geräte das Kapital schnell aufzehren könnten. Laut Finanzvorstand Brian Bidulka werden auch die Entlassungen kosten, doch im laufenden Quartal soll netto kein Geld abfließen.“

Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge könnte RIM sein Heil in der Zuflucht zu bzw. einer Partnerschaft mit Microsoft suchen.
Zitat Reuters:
„Nachdem das Unternehmen den Markstart seines neuen Hoffnungsmodells um mehr als ein Jahr verschieben muss, sondiert es eingeweihten Personen zufolge, das eigene Betriebssystem aufzugeben und Microsofts Windows-Variante einzusetzen. Allerdings befürchten Branchenexperten bereits das Schlimmste für den kanadischen Konzern …
Fachleute sehen in den Plänen einen Akt der Verzweiflung des deutschen Firmenchefs Thorsten Heins ohne große Aussicht auf Erfolg. …
Schon kurz nach Heins‘ Amtsantritt klopfte Microsoft-Chef Steve Ballmer Insidern zufolge bei RIM an, um dem Unternehmen eine ähnliche Partnerschaft wie mit Nokia schmackhaft zu machen.“

Zitat Handelsblatt:
„Bei einer Partnerschaft mit Microsoft könnte der Softwarekonzern zudem Anteile von RIM übernehmen und das Unternehmen finanziell unterstützen. Diese Möglichkeit ist den Kreisen zufolge aber bei dem im kanadischen Waterloo ansässigen Konzern besonders unpopulär, weil sie dessen Eigenständigkeit beenden würde. …
Die zweite Möglichkeit für RIM ist den Kennern zufolge, das Netzgeschäft an Privatinvestoren oder ein anderes Technologieunternehmen zu verkaufen. Der Käufer könnte das BlackBerry-Netz für andere Anbieter öffnen, so dass die vor allem in Unternehmen und Regierungseinrichtungen für ihre Sicherheit besonders geschätzten BlackBerry-Dienste auch über andere Netze und Handys verschickt werden könnten. …
Doch BlackBerry-Chef Heins hielt am Donnerstag im Gespräch mit Analysten an seiner Strategie eines integrierten Konzerns fest – mit Handys, eigener Software und eigenem Netz. Heins hatte selbst eine Strategieüberprüfung angestoßen, bei der Investmentbanker unter anderem von JPMorgan Chase die Optionen für das Unternehmen ausloten.“

RIM CEO Thorsten Heins, ehemals verantwortlich für die Siemens Mobilfunksparte, war bei RIM angetreten, den Abwärtstrend aufzuhalten und mit einem eigenen, neuen Betriebssystem wieder in eine positive Richtung zu drehen.
Doch die Entwicklung der neuen Betriebssystemversion dauert länger als erwartet, wie man gestern einräumte. Das ist auch der Grund für die Verzögerung der Markteinführung der neuen Modelle BlackBerry 10 auf Anfang 2013. Analyst Edward Snyder von Charter Equity Research: „Das ist ein Desaster.“

Zusammenfassend kann man wohl davon ausgehen, dass die Zahl der möglichen Optionen für RIM mit dem Verlust von Unternehmenswert und Marktanteilen schrumpfen. Eine Rettung aus eigener Kraft scheint derzeit in Anbetracht der verschärften Wettbewerbslage sehr unwahrscheinlich. Wartet man zu lange, droht ganz klar das endgültige Verschwinden vom Markt, das manche Analysten ebenfalls bereits seit einiger Zeit prognostizieren.

Quelle/n:
http://de.reuters.com/article/companiesNews/idDEBEE85S02H20120629
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/blackberry-hersteller-rim-sucht-heil-bei-microsoft/6812634.html
http://www.wallstreetjournal.de/article/SB10001424052702303649504577494791587440860.html
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/blackberry-hersteller-rim-streicht-nach-rekordverlust-5000-jobs-a-841626.html
https://enterprisemobilitymobi.wordpress.com/2012/05/29/bitkom-veroffentlicht-aktuelle-smartphone-marktanteile-in-deutschland/
Fotos REUTERS

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